Am 30.06.2021 habe ich bei dem MeetUp: Decisively Digital: Data & AI über das Thema Viele Möglichkeiten Daten zu visualisieren gesprochen. Das Video kannst du dir hier noch einmal anschauen: https://bit.ly/3z8OGXw

Bei dem MeetUp gab es für alle Zuhörer eine kleine Challenge: Die Aufgabe war es einen bestimmten Datensatz zu nehmen (https://bit.ly/3xtZ4Zd) und zu versuchen damit so viele unterschiedliche Grafiken wie möglich zu erstellen.

In dem o.g. Datensatz geht es um Fruchtbarkeitsrate von 1960 bis 2019 in 217 Ländern. Die Länder sind 7 unterschiedlichen Regionen zugeteilt. Es gibt auch Information zu welcher Einkommensgruppe das jeweilige Land gehört.

Nachfolgend findet ihr mein Ergebnis zur Aufgabe:

Originales Dashboard: https://tabsoft.co/3sEKaOo

Ich habe in 27 unterschiedlichen Möglichkeiten gezeigt, wie man diesen Datensatz visualisieren kann. 

Jedes Diagramm zeigt diesen Datensatz aus einem anderen Blickwinkel und beantwortet auch unterschiedliche Fragen. Das sind definitiv nicht alle Möglichkeiten. Aber die oben aufgezeigten gehören auf jeden Fall zu den Diagrammen, die am häufigsten vorkommen. 

Mit dieser Arbeit möchte ich zeigen, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt Daten zu visualisieren. Es betrifft nicht nur diesen Datensatz. Alle Daten können auf unterschiedliche Weise grafisch dargestellt werden. Jede der verschiedenen Ansichten hat seine Vorteile und betont bestimmte Ergebnisse anders. Dies erlaubt dem Publikum unterschiedliche Dinge zu erkennen.

Wenn man so viele Möglichkeiten hat, wie kann man dann am besten herausfinden, welcher Diagrammtyp für welchen Datensatz der Richtige ist? 

Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich erstmal auf eine andere Frage eingehen:

Warum werden Daten überhaupt grafisch dargestellt? 

Bei Datenvisualisierung verfolgt man unterschiedliche Ziele: man möchte mit Grafiken 

  • Kommunizieren
  • Schönheit erschaffen
  • Aktion antreiben
  • Unterhalten
  • Gefühle hervorrufen
  • Experimentieren
  • Erforschen
  • Aufmerksamkeit erregen
  • Beeinflussen
  • Inspirieren
  • Zum Lachen bringen
  • Erklären
  • Lernen
  • Informieren

Wir stellen Daten aus vielen Gründen grafisch dar. Oben habe ich nur einige davon genannt. Jedes Mal, wenn wir ein Diagramm erstellen, müssen wir verstehen, warum wir das tun und welchen Zweck die Darstellung erfüllen soll.  Denn unterschiedliche Gründe helfen uns, Entscheidungen für den Diagrammtypen zu treffen. Sie könnten die Art des Feedbacks, das wir erhalten, verändern. Diese Ziele lenken unseren Fokus und priorisieren unsere Schritte bei der Visualisierung der Daten. Das hilft uns unsere eigene Arbeit besser zu steuern.

Ich persönlich erstelle Diagramme, um Menschen zu informieren, Daten sichtbar zu machen und um ein gemeinsames Verständnis von einem bestimmten Thema zu schaffen. Mit meiner Arbeit möchte ich bei meinem Benutzer den AHA-Moment zu erzeugen – also den entscheidenden Moment des Verständnisses! Das ist wichtig, denn die Wahl des passenden Diagrammtyps führt dann auch zu besseren Interpretationen der Daten und somit auch zu den richtigen Entscheidungen.

Typischerweise wähle ich Diagramme aus, mit denen meine Nutzer vertraut sind. Ich möchte, dass meine Nutzer schnell die Daten-Botschaft verstehen, sodass kein Erklärungsbedarf entsteht oder Interpretationsspielräume zu groß sind.

Wie wählt man nun den richtigen Diagrammtyp aus?

Hier habe ich paar Tipps für dich zusammengestellt. Es handelt sich hierbei nicht um Regeln, sondern eher ein paar Hilfestellungen, die die Auswahl erleichtern. 

Was willst du kommunizieren? Was ist deine Botschaft an die Nutzer?

Denke an über die eigentliche Botschaft nach:

  • Was willst du deinen Nutzer mitteilen? 
  • Was hast du interessantes in der Daten entdeckt? 
  • Worauf willst du den Fokus lenken?
  • Welche wichtigen Informationen bringen die Daten mit sich?

Ich empfehle dir, ein oder zwei Sätze aufzuschreiben, was du kommunizieren willst. Handelt es sich um die Frage oder um eine “Big Idea”? Sei so präzise wie möglich bei deiner Formulierung.

Versuche zunächst unterschiedliche Grafiken auf einem Blatt Papier zu skizzieren.

Ich möchte hier betonen, wie wertvoll das Skizzieren ist. Das Skizzieren hilft dir, von deinem Tool zurückzutreten. Es ist eine großartige Möglichkeit, durch verschiedene Diagrammtypen zu iterieren und etwas nicht Digitales zu tun. Durch das Skizzieren kannst du schnell unterschiedliche Diagrammen im Kopf durchspielen. Du wirst viel durch diesen Prozess lernen, indem du deine Daten aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforscht. Du wirst auch schnell verstehen, mit welchem Diagramm du am besten arbeiten kannst, um deine Botschaft dem Nutzer rüberzubringen. Skizzieren ist also eine sehr gute Methode für die explorative Analyse. 

Kann man mit einer von dir skizzierten Grafik die Antwort auf deine Frage finden?

Betrachte deine grafische Darstellung und deine Botschaft kritisch. (Ich weiß, dass es leicht gesagt, als getan) Denke immer daran, dass du für deine Nutzer die Erkenntnisse der Daten, deine Botschaft mit deinem Diagramm erklären willst.

Versuche die Grafik in einem Tool nachzubilden und prüfe, ob die Grafik funktioniert.
Eigenes Bild

Manchmal gibt es Fälle, in denen ich mir Daten ansehe und denke: „Oh, natürlich, das wird ein Liniendiagramm; ich habe fortlaufendes Datumsfeld und Kennzahlen dazu. Und dann 

erstelle ich Liniendiagramm mit meinem Tool und es sieht wie Spaghetti aus. Alle Linien überkreuzen sich. Es sieht so aus, als ob ich eine Handvoll gekochter Spaghetti genommen und auf den Boden geworfen hätte. 

Was beim Skizzieren vielleicht auf den ersten Blick gut ausgesehen hat, muss zum Schluss nicht auch über das Tool zum gewünschten Erfolg führen. 

Wozu möchtest du den Nutzer befähigen bei der Datenanalyse?
  • Willst du, dass deine Nutzer die Werte miteinander vergleichen oder einen globalen Trend sehen? 
  • Willst du ein interaktives Dashboard erstellen und dabei eine Menge Filter verwenden? 

Bei dieser Entscheidung, kann der Nutzer selbst bestimmen, welche Daten es ansehen möchte. 

Welches Gerät wird bei der Betrachtung der Daten benutzt?

Ein Mobiltelefon oder ein Laptop? 

Wenn Du zum Beispiel ein Dashboard für mobile Geräte erstellst, würde ich Diagrammen so einfach wie möglich halten. Es ist schwer auf einem kleinen Monitor, wie Handy, die Filteroptionen zu nutzen und alle Quickinfos oder Anmerkungen zu lesen. Daher würde ich die Anzahl der Interaktionen auf ein Minimum reduzieren. 

Die Interaktion mit dem Dashboard auf einem Laptop ist viel einfacher. In diesem Fall kannst du Filter setzen, Anmerkungen oder auch eine zusätzliche Annotation hinzufügen.

Wähle ein Diagramm, mit dem deine Nutzer bereits vertraut sind.

Balkendiagramme und Liniendiagramme funktionieren immer gut. Das sind die gängigsten Diagrammtypen in Business-Dashboards. Das heißt aber nicht, dass du keinen anderen Diagrammtyp verwenden solltest. Der Punkt ist hier, wie du es den Leuten ermöglicht, Diagramm unmissverständlich zu lesen.

Es macht ein großer Unterschied, ob du das Graph persönlich erklärst oder du gibst einem Kollegen es weiter, so dass er deine Arbeit selbstständig erkundet. Das sind zwei verschiedene Vorgehensweise. Und bei jeder Option musst du überlegen, wie machst du deine Arbeit verständlich? Wie ermöglichst du es den Leuten, dein Diagramm richtig zu lesen und wie machst die Leute mit deiner Arbeit vertraut? Du musst also auch über Legenden, Kontext, Anmerkungen oder deine Präsentationsfähigkeiten nachdenken. Sei Dir bewusst, dass es manchmal ein langer Weg sein könnte, um die Leute mit deinen Diagrammen vertraut zu machen. 

Ein Feedback von einem Freund oder Kollegen holen

Wenn Du Daten visualisierst und nicht sicher bist, ob deine Botschaft so ankommt, wie du es für dich formuliert hast, dann hole Dir ein Feedback. Zeige deine Arbeit einem Kollegen oder deinem besten Freund/in. 

Achte hier stets auch auf den Denkprozess, wie sie deine Grafiken lesen und interpretieren. Worauf legen sie ihren Fokus, welche Fragen stellen sie, welche Beobachtungen machen sie – all das ist sehr wertvoll. Mit diesem Feedback kannst du herausfinden, ob das von dir erstellte Diagramm auch seinen Zweck erfüllt. 

Mache Notizen darüber, wie du das Diagramm mündlich beschreibst, und notiere, wie viel Zeit du verbringst, darüber zu sprechen vs. wie viel Zeit nimmt es Dir das Diagramm zu verstehen ohne Erklärungen.

Es gibt Diagramme, die man anschaut und man versteht schnell den Kontext. Die Farben, Legenden, Annotation sind in eine solche Harmonie, dass man überhaupt keine Mühe hat sie zu lesen.

Es gibt aber auch andere Diagramme, wo man sich viel Zeit nehmen muss, um die Informationen auf der Grafik zu verstehen. Man braucht eine extra Erklärung, um alles richtig zu deuten. Hier gibt es Risiko, dass das Diagramm falsch gelesen und somit auch falsch interpretiert wird. Wenn das der Fall ist, dann muss man in der Tat über eine andere Darstellung nachdenken.

Magie der richtigen Diagrammauswahl

Denke immer daran, dass die richtige Auswahl des Diagrammtyps den magischen Moment des Verständnisses schafft! Man nennt ihn den AHA-Moment. Dieser Moment tritt ein, wenn die Botschaft verstanden wird oder wenn wichtige Zusammenhänge erläutert werden konnten. 

Das Ziel der Datenvisualisierung soll immer sein, diesen magischen Moment zu erzeugen. Diesen Moment kann durch unterschiedliche Diagramme erreicht werden. Als Designer, kannst du diesen Moment z.B. mit Liniendiagrammen erleben. Für deine Nutzer könnte es wiederum ein Slope Diagramm sein. Hier muss man in der Tat darauf achten, welche Diagrammtypen deinen Nutzer bereit bekannt sind und welche nicht.

Diesen Blogartikel möchte ich gerne mit diesem Bild beenden, da es das beschriebene ganz gut bildlich darstellt:

Quelle:
Martin Parr: The Leaning Tower of Pisa, From Small World 1990

Das Bild wurde in PISA aufgenommen und die Sehenswürdigkeit sollte jedem vertraut sein., Pisa ist eine kleine, aber sehr beliebten Stadt in Italien. Beliebt bei Touristen vor allem wegen dem schiefen Turm von Pisa.

Viele Touristen machen hier ein sehr typisches Foto mit diesem Turm. Dabei versuchen die Leute auf dem Foto so zu tun, als würden sie den Turm stützen oder schieben wollen. Wenn man die Fotos mit dem richtigen Blickwinkel macht, dann kann das Ergebnis wirklich ganz witzig sein. Gelingt es nicht, weil man z.B. nicht den richtigen Winkel zu erwischt, so sieht es eher alber aus, wie auf diesem Bild. 

Nun wünsche ich dir, als Designer zum Designer, immer den richtigen Blickwinkel zu finden.  Nur so kannst du deine Botschaft richtig an die Nutzer zu vermitteln und besonderen AHA Moment erzeugen.

Quelle: https://bit.ly/3iiJZ6r

Lese meinen letzten Blogartikel: Vorgehensweise: Diagramm grafisch vereinfachen